Europa | Gereistes

Island-Wochenende, Reykjavik und Golden Circle

15. August 2019

Hallo Ihr Lieben,

die Zeit rennt und rennt. Man kann gar nicht so schnell gucken. Geht es euch auch so? Kaum war ich auf Island, sind schon wieder Monate vergangen, ohne euch davon erzählt zu haben. Das hole ich jetzt schnell nach! Ende Mai habe ich kurzentschlossen ein Wochenende auf Island verbracht mit Reykjavik und einem Tagesausflug über den Golden Circle.

Reykjavik

Reykjavik ist klein, übersichtlich und eine Mischung aus modern und niedlich. Auf einer Free-Walking-Tour wurden wir mit einigen alten Gebäuden und markanten Punkten der Stadt bekannt gemacht. Unter anderem wurde uns verraten, wo der günstigste Pub liegt, es das beste Mittagessen oder auch DIE Hotdogs der Stadt gibt. Natürlich habe ich alles getestet und konnte alles für gut befinden. Ich will den Jungs hier nicht die Arbeit wegnehmen, daher müsst ihr diese Tour schon selbst machen, um an die Tipps zu kommen. Meine klare Empfehlung: http://www.freewalkingtour.is mit Eyvindur. Der Mann ist einfach super witzig und macht auf seine Art sogar Geschichte interessant.

Auf eigene Faust war ich dann u. a. im Punkmuseum. Ein winziges Museum in einer ehemaligen öffentlichen Toilette unter der Erde. Viel zu lesen gab’s hier und etliches auf die Ohren. Da waren ein paar richtig coole Bands dabei 🙂

Natürlich durften auch die Klassiker wie z. B. die Hallgrimskirche nicht fehlen. Leider hatte die Kirche geschlossen. Das hat mich ein wenig traurig gemacht. Sollte der Ausblick vom Turm doch legendär sein! Na ja, vielleicht ein nächstes Mal.

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Das Opernhaus Harpa am Hafen durfte auch nicht fehlen. Innen ist ein Souvenirshop mit etwas anderen Artikeln. Hier findest du neben handgemachtem Schmuck auch tolle Bücher, Bilder und Kunstwerke. Leider nicht ganz günstig und auch eher schwierig zu transportieren, aber zumindest sehr sehenswert.

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Ebenfalls am Hafen steht das Eve-Online-Monument. Das wird den meisten nichts sagen, meinen Brüdern dafür umso mehr. Eve ist ein Online Computerspiel, für das man eben dieses besagte Monument in Reykjavik aufgestellt hat. Auf dem Sockel sind Fliesen mit den eingravierten Namen aller Spieler zum Zeitpunkt X. Per Such-App habe ich dann auch meine Brüder gefunden 🙂

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Am Ende meines Stadtbummels war ich noch an der Sólfar, dem Sonnenschiff. Hier wimmelt es von Touristen, die alle ein Foto von sich vor der Skulptur haben möchte. Da braucht es schon etwas Geduld, um ein wenig Ruhe zu bekommen. Den Tag habe ich dann am Strand in der Nähe meiner Unterkunft ausklingen lassen.

Golden Circle

Am nächsten Tag ging es schon sehr früh wieder weiter. Ich habe eine „Golden Circle“ Tour gebucht. Auf dieser Tour werden die drei angeblich schönsten Sehenswürdigkeiten des Landes angefahren.

Gullfoss

Angefangen mit dem Wasserfall Gullfoss, einer der spektakulärsten Wasserfälle in Island. Dieser mächtige Wasserfall liegt in einem uralten, steil abfallenden Tal und ergießt sich über zwei Stufen 32 Meter hinab.

Es ist ein Riesenglück, dass er so erhalten geblieben ist und nicht in irgendeiner Weise verändert wurde. Seine Natürlichkeit zu bewahren, war nämlich nicht immer in jedermanns Sinne. Anfang des 20. Jahrhunderts sahen ausländische Investoren eine gute Gelegenheit darin, den Gullfoss zu „vernichten“ und in ein Wasserkraftwerk umzuwandeln. Der damalige Eigentümer des Wasserfalls Tómas Tómasson hatte Außenstehenden indirekt das Recht eingeräumt, damit zu tun, was sie wollten. Und diese Pläne nahmen – entgegen seiner Wünsche – langsam Gestalt an; allerdings waren sie nur sehr schwer zu realisieren, solange Tómas’ Tochter in der Nähe war!

Diese weibliche Ikone namens Sigríður verhinderte die Zerstörung des Naturwunders, das ihr so am Herzen lag. Sie tat alles, was in ihrer Macht stand, um es zu erhalten: So drohte sie beispielsweise, sich den Wasserfall hinunterzustürzen, und bewältigte die 200 km lange ungepflasterte Strecke nach Reykjavík (und wieder zurück) mehrmals zu Fuß, um einen Rechtsstreit zur Verteidigung des Gullfoss zu führen.

Auch wenn ihre Aktionen den Wasserfall nicht direkt retteten, so sorgten sie doch dafür, dass die Pläne im Land Kritik ernteten und der „Vernichtungs“-Prozess verzögert wurde. Schließlich gelang es ihrem Rechtsbeistand, mit den Investoren – denen es am nötigen Geld fehlte – eine Auflösung des Vertrags zu vereinbaren. Der Name dieses Anwalts ist kein unbekannter: Sveinn Björnsson; es war derselbe Mann, der später zu Islands erstem Staatspräsidenten gewählt wurde.

Sigríður wurde mit einem Gedenkstein an der Spitze des Wasserfalls verewigt und bleibt als Heldin in Erinnerung – dank ihrer unermüdlichen Bemühungen, den Gullfoss zu erhalten. Als mittellose, ungebildete Frau kämpfte sie – im Namen der Schönheit der Natur – gegen eine kapitalistische, patriarchalische Gesellschaft. So half sie, den Weg für Feminismus und Umweltschutz zu ebnen, die heute die isländische Kultur prägen. (Quelle: guidetoisland.is)

Geysir / Strokkur

Weiter ging’s zu meinem persönlichen Highlight. Den Geysiren. Überall blubbern und qualmen hier kleine Öffnungen im Boden und es wird davon abgeraten, die Finger in die kleinen Rinnsale am Wegesrand zu stecken. Das Wasser hat Temperaturen bis zu 80 °C.

DER Geysir, der allen anderen seinen Namen gab, ist weitestgehend inaktiv. Es soll noch immer eine Chance bestehen, ihn ausbrechen zu sehen, aber dazu benötigt es wohl ein Erdbeben. Der aktivste Gysir Islands, der Strokkur, bricht ca. alle 5 bis 10 Minuten aus. Rund herum kann man stehen und sich das Schauspiel ansehen. Für mich besonders faszinierend waren mal wieder die Touristen. Wenn es nicht regnet und ein Teil des Bodens nass ist, wo stellst du dich dann hin? Genau! Am besten ins Nasse! Da muss ich selbst in der Erinnerung wieder den Kopf schütteln. Wen wundert’s, wenn Wasser in die Höhe gepustet wird und der Wind seins dazu tut, dass die Menschen an eben dieser nassen Stelle völlig durchnässt wurden? Und wie wenig lernfähig Menschen sind! Die nächste Gruppe hat sich genau wieder an die gleiche Stelle gestellt…

Genug gelästert. Eine halbe oder dreiviertel Stunde hatten wir hier Aufenthalt und ich habe jede Minute davon genossen. Die Sonne lachte und der Geysir hat sich manches mal selbst an Höhe der Fontäne übertroffen.

Der dritte und letzte Stopp: Þingvellir-Nationalpark.

Die unglaubliche Geologie geht auf die Lage direkt zwischen der nordamerikanischen und eurasischen Kontinentalplatte zurück; der Park befindet sich auf der Grabenbruchzone, die das ganze Land durchzieht. Island ist das einzige Land, in dem dieser Graben – der Mittelatlantische Rücken – über dem Meeresspiegel verläuft, und nirgendwo ist er besser zu sehen als im Þingvellir-Park.

Wer von Reykjavik aus in den Park hinein fährt, steuert auf eine steile Klippe zu – die Ecke des nordamerikanischen Kontinents. Der eurasische Kontinent liegt einige Kilometer entfernt auf der anderen Seite des Parks und bietet einen ebenso eindrucksvollen Anblick. (Quelle: quidetoisland.is)

Leider waren hier nur 45 Minuten Aufenthalt eingeplant. Bei der Anfahrt habe ich bereits einen Wasserfall entdeckt, den ich unbedingt näher sehen wollte. Leider waren es bis dort schon 15 Minuten Weg in die entgegengesetzte Richtung vom Treffpunkt. Ich habe also die wunderschöne Gegend nur im Durchlaufen sehen können, aber nicht richtig intensiv genießen. Dazu braucht man dort einfach mehr Zeit.

Auf dem Rückweg nach Reykjavik haben wir noch an einer Milchfarm angehalten und wundervolles, hausgemachtes Eis gegessen.

Alles in allem eine wunderschöne Tour und eine tolle Erfahrung. Ich habe gelernt, Island muss ich noch mal sehen. Mit mehr Zeit und unter eigener Regie.

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