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Rundreise Yukon, Kanada

3. Oktober 2019

Hallo Ihr Lieben,

mal wieder ist eine schöne Rundreise zu Ende und ich freue mich, sie hier mit euch teilen und damit noch einmal erleben zu dürfen. Diesen Sommer hat es mich in den Yukon, Kanada verschlagen. Nach neun Jahren Abstinenz bin ich wieder in einen Flieger Richtung British Columbia gestiegen und war mega aufgeregt. Neun Jahre ist eine lange Zeit!

In B. C. angekommen, hat mich ein guter Freund in Empfang genommen und wir sind gleich los, den Wohnwagen abholen. Anders als die Modelle, die man von Deutschland aus mietet, war dieser komplett leer. Kein Bettzeug, keine Gabel, kein Teller, nix! Also erst mal nach Hause und schauen, was die WG entbehren konnte. Den Rest mussten wir leider kaufen. Unfassbar, was man alles braucht! Gut, dass es Dollarama gibt. Dort kann man die meisten Sachen für ein oder zwei Dollar bekommen. Als nächstes in den Supermarkt und den Kühlschrank füllen. So ging der erste Tag recht schnell rum. Am nächsten Morgen ging es dann endlich los Richtung Norden. Auch mein Freund war noch nie dort und entsprechend genau so gespannt wie ich, was uns erwartet.

Die ersten Stunden gen Norden waren nicht besonders spannend. Zwischen Fort St. John und Fort Nelson ist vier Stunden lang nichts außer Industrie. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange wir gefahren sind. Irgendwann waren wir müde und haben auf einem sehr neuen Provincial Campground gehalten. Der war sehr spartanisch. Hier gab es tatsächlich nichts. Nicht mal fertiges Feuerholz. Gut, dass wir Äxte im Wohnwagen hatten. Also haben wir Holz gesammelt, gehackt und in der vorhandenen Feuerstelle ein hübsches Lagerfeuer angezündet. Darauf habe ich auch gekocht. Bratwürstchen mit Gemüse in Soße. Super lecker! 1000 mal besser als auf dem Herd im Wohnwagen.

Unser erster geplanter Stopp auf der Liste der Dinge, die wir sehen wollten, war Liard Hot Springs, noch immer in B. C.. Dort gibt es einen naturbelassenen Pool mit einer heißen Quelle. Von links nach rechts wurde hier das Wasser immer heißer. Ich sah am Ende aus wie ein gekochter Hummer 🙂 Aber toll war’s! Super entspannend. Danach konnten wir total relaxed wieder ins Auto steigen und ein paar Stunden weiterfahren. Denn bis zur Grenze in den Yukon war es noch ein ganzes Stück. Auf diesem Stück haben wir dann die ersten großenTiere gesehen: Bären und Bisons.

Endlich in Watson Lake, Yukon, angekommen, haben wir einige Zeit im berühmten Schilderwald verbracht. Hier hängen inzwischen über 80.000 Schilder aus aller Welt in den verschiedensten Farben und Formen. Sogar Flip Flops oder Haushaltsgegenstände sind hier verewigt. Und immer kommen neue hinzu. Wir haben auch ein Paar gesehen, das mit Schild und Hammer bewaffnet einen freien Platz gesucht hat.

Auf dem Weg von Liard nach Tagish, wo wir den nächsten Stopp eingelegt haben, haben wir gefühlt 100 mal angehalten, um die wunderschöne Aussicht zu genießen. In Tagish haben wir im Six Mile Resort gecampt. Mitch war eine wundervolle Gastgeberin und der See hinter dem Gelände ein Traum. Hier hatte ich meine erste Fuchsbegegnung des Lebens. Auf einmal stand der einfach genau neben uns. Vielleicht mit zwei Metern Abstand. Ich war wie erstarrt. Ich hatte doch keine Ahnung, ob Füchse gefährlich sein könnten. Dieser war aber total harmlos und eher neugierig, wer wir denn sind und ob wir ihm was zu essen mitgebracht haben. Haben wir natürlich nicht. Selbst wenn wir gewusst hätten, dass er hier lebt, wäre ich noch immer dafür, dass die Tiere sich selbst versorgen müssen. Wenn die das durch den Menschen verlernen… da brauchen wir nicht weiter drüber reden, welche Folgen das hat.

Von hier aus sind wir über Carcross weiter nach Whitehorse. Carcross hatten wir eigentlich nur wegen der kleinsten Wüste der Welt auf dem Schirm. Aber der Ort war so niedlich, dass wir gern ein bisschen länger dort blieben. Leider hat es (wieder einmal) geregnet, wir haben es uns trotzdem nicht nehmen lassen, den Ort zu erkunden.

In Whitehorse haben wir nicht viel Zeit verbracht. Es hat wieder angefangen zu regnen und so haben wir uns das für den Rückweg aufgehoben. Dafür haben wir hier den Highway gewechselt. Vom Highway 1 (Alaska Highway) auf den Highway 2 (Klondike Highway). Dieser führte uns weiter durch wunderschöne Natur und süße kleine Orte wie Carmacks, Pelly Crossing und Steward Crossing bis Dawson City. Der nördlichste Punkt unserer Reise.

In Dawson City schien die Zeit stehengeblieben zu sein. Hier hatten wir richtig gutes Wetter und fast 30 Grad. Durch den vielen Staub und die historisch anmutenden Gebäude kam ich mir vor wie in einem alten Western. 😉 Abends haben wir natürlich bei Gertie’s unser Glück an den Spielautomaten versucht und auch die Show angesehen. Da war richtig Stimmung und gegen 2 Uhr sind wir dann bei Dämmerung zurück zu unserem Wohnwagen. So weit nördlich wird es kaum dunkel. Irgendwie ist der Sonnenuntergang direkt in den Sonnenaufgang übergegangen. Komisches Gefühl.

Natürlich mussten wir auch den „Sourtoe Cocktail“ probieren. Es ist genau wonach es klingt.

Das sagt das Netz: „Cocktails mit abgestorbenen menschlichen Zehen darin – das serviert das Downtown Hotel in Dawson City in der Yukon-Region in Kanada. Es nennt den Drink „Sourtoe Cocktail“, also auf Deutsch in etwa „Saurer-Zeh-Cocktail“.Die Zehen auf den Bildern der Website des Hotels sind braun, haben gelbe Fußnägel und sehen aus, als wären sie schon mitten im Verwesungsprozess. Tatsächlich sind sie getrocknet, werden in Salz konserviert und gefroren. Serviert werden sie in Yukon Jack, einem kanadischen Whisky, der nach Vanille und Honig schmecken soll (Anm. von mir: Tut er auch). Wie der Whisky mit Zeh darin schmeckt, will man sich gar nicht vorstellen. Wer es wagt, den „Sourtoe Cocktail“ zu trinken, erhält eine Mitgliedskarte des „Sourtoe Cocktail Club“ und ein Zertifikat als Bestätigung, dass er den Cocktail getrunken hat.

Aber: Das bloße Trinken ist nicht genug. Um das Zertifikat zu erhalten, müssen die Gäste des Hotels den Zeh beim Trinken des Whiskys auch noch mit den Lippen berühren! Die Regel lautet: Du kannst ihn schnell trinken, du kannst ihn langsam trinken, aber du musst den Zeh berühren. Wer so was macht? Offenbar eine ganze Menge Menschen. Es gibt nämlich jede Menge Bilder und Videos der Prozedur. Auch wenn du glaubst, dass niemand einen dieser Zehen verschluckt: Der erste Zeh eines Rumschmugglers soll 1980 von einem Minenarbeiter tatsächlich versehentlich verschluckt worden sein. Das berichtet zumindest die britische Zeitung „The Guardian“. Heute steht das Verschlucken unter Strafe. Wer den Zeh versehentlich verschluckt, muss 2.500 kanadische Dollar – etwa 1.600 Euro – bezahlen. Sonst gäbe es den Cocktail nämlich bald nicht mehr. Denn: Es bekommt natürlich nicht jeder Gast einen eigenen Zeh, die Zehen werden immer wieder verwendet.“

Wer so was macht? Wir natürlich 😀 Ich habe mir einfach die ganze Zeit vorstellt, es wäre ein Ast oder so in meinem Glas. Wenn etwas so lange in Salz und Alkohol gelegen hat, dann kann es gar nicht mehr wie ein Zeh sein. Zumindest in meinem Kopf. Und das hat geholfen. Da war das gar nicht mehr so schlimm.

Auf dem Rückweg haben wir einen kurzen Stopp an den Five Finger Rapits gemacht. Hier reicht auch wirklich ein kurzer Stopp. die Aussicht ist schön, aber das war’s auch schon. Einen kleinen Wanderweg oder so hätte ich gut gefunden. Ihr wisst, ich wandere ja nicht so gern. Aber nach ein paar Stunden im Auto täte etwas Bewegung ganz gut.

In Whitehorse haben wir diesmal gleich 3 Nächte verbracht. Eine Freundin meines Freundes lebt dort, die haben wir getroffen und haben etwas das Nachtleben geschnuppert. Außerdem waren wir hervorragend essen, u. a. im „Dirty Northern Bastard“. Hier gab’s die besten Rippchen ever! Außerdem haben wir noch den Canyon und das Wildlife Preserve besucht. Im Canyon konnte man stundenlang umherwandern und die Natur und den Fluss genießen. Natürlich musste ich meine Füsse rein halten. Das war erschreckend kalt. Baden würde ich nicht empfehlen.

Im Wildlife Preserve werden Tiere aufgepäppelt und erleben praktisch eine Art Reha. Wir hatten wirklich Glück und haben sogar die Luchse, Füchse und Elche gesehen, die für gewöhnlich sehr scheu sind und sich in den großen Gehegen verstecken. Ein fünf km langer Rundweg führt durch den Park und wir haben etwas über zwei Stunden gebraucht. So spannend war es 🙂

Nach Whitehorse war es leider wieder die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg. Wir haben also nicht mehr ganz so oft angehalten und sind recht flott die nächsten 2 Tage durchgefahren, um dann bei meinem Freund mit seinen Mitbewohnern noch etwas zu entspannen, bevor ich wieder die Heimreise antreten musste.

Wie immer ging die Zeit viel zu schnell vorbei und ich habe die Leute schon in den ersten Stunden zurück in Deutschland wieder vermisst. Das war bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich dort war. Aber erst mal habe ich noch zu viele andere Pläne. Die nächste Reise steht schon in den Startlöchern. 🙂

Und da ich mich über diese Reise so gefreut habe und auf die nächste schon freue, kommt der Artikel gleich mal zum Freutag.

Bis dahin
Eure M.

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