Karibikküste
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Panamas Karibikküste

15. April 2022

Panamas Karibikküste – Besuch einer Kakaofarm

Mit vielen Eindrücken verließen wir die moderate Klimazone und fuhren Richtung Panamas Karibikküste. Dort besuchten wir eine Kakaofarm Nähe Rio Oeste Arriba. Irgendwie war diese Farm eher ein Dorf. Der Chef des Ganzen lebt hier, so wie auch seine Söhne und andere Mitglieder der Ngobe Community.

Kakaofarm

Auch wenn die Bewohner an diesem Tag einen gechillten Eindruck machten, wurde durch die Erklärungen des Kakaobauern deutlich, wie viel harte Arbeit in so einer Farm steckt. Diese Farm ist z. B. absolut frei von Pestiziden. Vor etlichen Jahren hat jemand den Bauern in der Umgebung eine besonders ertragreiche Pflanze angeboten. Leider war diese auch von einem Pilz befallen, der seither auch auf den dortigen Farmen wütet. Ohne Pestizide bleibt den Bauern nichts anderes, als täglich befallene Früchte zu finden und von der Pflanze zu entfernen. Trotzdem verlieren sie einen Großteil der Ernte. Immer wieder. Seit Jahren. Warum sie dann nicht doch auf Hilfsmittel zurückgreifen, wollten wir wissen. Es geht ums Prinzip. Um den Glauben an das, was sie tun. Ich bewundere diese Stärke und den Zusammenhalt, den sie auf ihrer Farm leben. Gerne kaufte ich mir am Ende ein Päckchen Kakao, aus dem ich Zuhause heiße Schokolade machen werde. (Nachtrag: suuuper lecker!)

Zwischen den Kakaopflanzen standen noch hunderte andere Pflanzen. Teils Obstbäume, teils Pflanzen mit medizinischer Wirkung. Im Zusammenspiel sind alle Pflanzen und auch die Tiere, die sich von allem, was so runterfällt ernähren, happy. Nach einer Weile kamen wir an einen kleinen, überdachten Platz mit einer Art Grill oder so. Im Feuer stand ein Topf, in dem Kakaobohnen geröstet wurden. Unter ständigem Rühren machte es Geräusche wie Popcorn und es roch köstlich. Währenddessen wurden uns frische Kakaofrüchte gezeigt und der Prozess der Schokoladenherstellung erklärt. Natürlich durften wir vor jedem Arbeitsschritt probieren. Beim Mahlen sogar selbst Hand anlegen.

Kakaofarm

Es sah leichter aus als es ist. Ich muss zugeben, ich habe es nicht versucht, aber zwei meiner Mitreisenden war anzusehen, dass man definitiv im Training sein muss, um es so leicht aussehen zu lassen, wie bei der Frau, die es vorgemacht hat.

Bocas del Toro

Nachdem wir bereits auf der Kakaofarm unsere Pullis wieder gegen T-Shirts getauscht haben, ging es ab Almirante weiter zur Insel Colón vor Panamas Karibikküste. Almirante besteht im Wesentlichen aus dem Hafen, in dem die berühmten Chiquita Bananen in die ganze Welt verladen werden. An den Ufern waren sonst nur noch sehr ärmliche Hütten auf Stelzen zu sehen. Die Kombination aus Hafen und Klohäuschen im Wasser, ebenfalls auf Stelzen, ließen mich zweifeln, ob ich den Fisch genießen könnte, der hier gefangen wird.

Karibikküste

Die Überfahrt nach Colón war dafür umso schöner. Der Fahrtwind und das kristallklare Wasser haben mich zurück in die totale Urlaubsstimmung gebracht. Unser Hotel lag direkt am Wasser, mit eigenem Bootsanleger. Von hier wurden wir zu einer Fahrt durch das Archipel abgeholt. Wir erfuhren viel über die Mangrovenwälder, die wie Inseln im Meer stehen, sahen verschiedene Fische, Vögel, Affen, Korallen, Seeigel und Seesterne. Wir haben in einem Restaurant mitten im Meer gegessen, an einem weiteren Stopp einen dort lebenden Ara beobachtet und in der Dolphin Bay jede Menge Delphine gesehen. Hier musste ich mal wieder feststellen, dass Tiere einfach zu schnell für mich sind. Ich hätte so gern einen Delphin von vorn festgehalten. Meine Reaktionsgeschwindigkeit hat jedoch nur für die Schwanzflosse gereicht. Dennoch war es ein wunderschönes Erlebnis.

Am Red Frog Beach auf der Isla Bastimentos war ein längerer Stopp eingeplant. Hier wollten wir auf dem kurzen Fußweg vom Anleger zum nördlichen Strand die kleinen roten Frösche finden und fotografieren. Am Strand selbst hatten wir dann Zeit für was immer wir wollten. Rumlaufen, die Natur genießen oder auch Baden gehen. Wirklich erfrischend war das Wasser nicht. Es war fast so warm wie eine Badewanne. Dennoch musste ich rein. Geht ja nicht, dass ich am Meer bin und nicht ein wenig plansche. Außerdem habe ich in den Felsen an der Küste noch Krabben beobachtet, wie sie den Wellen Stand gehalten haben. Leider haben die mich auf viele Meter Entfernung schon wahrgenommen und sich ins Meer gestürzt, um mir zu entgehen.

Karibikküste
Karibikküste

Auf dem Weg haben wir tatsächlich einige der wirklich winzigen roten Frösche gefunden. Sie sind in etwa so groß wie das obere Stück meines Daumens.

Karibikküste

Uuuuuund….. Jan hat ein Faultier entdeckt! Endlich ein Faultier! Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben. Und dann auch noch ein ganz junges, an einem Baum direkt neben uns! Man könnte sagen, das Dreifinger-Faultier ist etwas aktiver als sein Zweifinger-Artgenosse. Einmal die Woche klettern sie den Baum hinunter, um Blase und Darm zu entleeren. Der gefährlichste Moment in ihrem Leben, sind sie doch schutzlos am Boden allen Feinden ausgeliefert. Und ausgerechnet dieser Moment war als wir dort standen. Eine gefühlte Ewigkeit konnten wir dem Tier beim Hinabklettern und später wieder Hinaufklettern zusehen. Während des „Geschäfts“ haben wir uns natürlich umgedreht. Etwas Privatsphäre sollte dabei ja schon gegönnt sein.

Wer übrigens denkt, er hätte das Tier gern gestreichelt, sollte sich das Bild mal genau ansehen. Mal abgesehen davon, dass man wild lebende Tiere so oder so nicht anfasst (!), krabbelt auf so einem Faultier eine Menge rum. Jede Menge Snacks für den Hunger zwischendurch für den Kameraden. Urgh. Trotzdem finde ich sie noch immer super niedlich und liebe das lächelnde Gesicht.

Karibikküste

Der nächste Tag war auch schon der letzte an Panamas Karibikküste, bevor wir zurück in die Hauptstadt und damit schon fast wieder nach Hause mussten. Wir hatten den Tag zur freien Verfügung und schon am Vorabend stellte sich raus, dass wir zusammen einen weiteren Ausflug durch die Inselwelt machen wollten. Am Morgen sind wir also los und suchten den Kapitän des Vortages. Leider war er schon auf Tour, aber sein Kollege war nach anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten bereit, uns für vier Stunden zu begleiten.

Interessanterweise waren die Schwierigkeiten eher weniger durch die Sprache, sondern durch unsere Interessen entstanden. Er hat uns sämtliche Routen vorgeschlagen, die Touristen da eben so machen. Wir wollten lieber etwas unabhängiger sein und selbst bestimmen, wo es hingeht. Wir hatten uns also auf einen Mix aus Touri-Tour und individuellen Abstechern und einen Preis geeinigt. Nach ca. 30 Minuten auf dem Wasser wurde klar, dass unser Kapitän immer mehr Spaß daran fand, von der üblichen Route abzuweichen und uns seine Highlights zu zeigen. Wir waren begeistert! Nachdem wir in der Dolphin Bay keine Delphine zu sehen bekamen, schlug er vor, ganz in der Nähe ein indigenes Dorf zu besuchen. Natürlich! Was für eine Frage…

Dieses Dorf war eine eigene Welt. Gefühlt mitten im Meer, zwischen einigen Mangroven tauchten die ersten Hütten auf. Von weitem sahen sie nicht so aus, als wären sie bewohnbar. Aber das waren sie. An einem kleinen Steg legten wir zwischen Einbäumen an und gingen Richtung „Zentrum“.

Indigenes Dorf

Unser Kapitän erklärte uns, dass das Dorf gar nicht auf einer Insel liegt, sondern auf dem Festland. Entsprechend wurde der Untergrund nach einigen Metern auch fester und die Hütten zu Häusern. Es gab sogar eine Schule und eine Telefonzelle. Die Schule war wohl gerade zu Ende und gleichzeitig eine Versammlung in der Haupthalle. Sämtliche Erwachsene standen zusammen und es wurde wild diskutiert. Kinder und Jugendliche in Schuluniform liefen durchs Dorf. Ich fühlte mich ein wenig, als wäre ich in eine fremde Welt eingedrungen. Sind wir wohl auch. Jeder guckte uns hinterher. Ob neugierig, interessiert oder irritiert kann ich nicht sagen. Aber auf jeden Fall freundlich. Fakt ist, hier kommen sonst keine Touristen hin.

Indigenes Dorf

Leider mussten wir ein wenig Gas geben. Aus den geplanten vier Stunden sind inzwischen fünf geworden und wir wollten so gern noch einen weiteren Stopp einlegen, bevor wir im Hotel sein mussten. Eine unserer Mitreisenden hatte Geburtstag und wir wollten sie noch mit einem Kuchen überraschen. Sie war auf unserem Ausflug nicht dabei, sondern hatte einen Tauchgang gebucht und wir wussten, wann sie zurück sein würde.

Karibikküste
Karibikküste

Zurück im Hotel haben wir dann ein wenig Geburtstag gefeiert, Kuchen gegessen, Sekt getrunken und später zusammen lecker gegessen und noch den ein oder anderen Cocktail getrunken. Der letzte Abend war geprägt von unseren Eindrücken und einem wundervollen Sonnenuntergang. So nahmen wir stilvoll Abschied von Panamas Karibikküste.

Karibik
Karibik

Abschluss einer wundervollen Reise

Und schon war Samstag. Rückflugtag von Boca Del Toro nach Panama City. Am Hotel angekommen haben wir den benachbarten Waschsalon gekapert und erst mal den ganzen Sand aus unseren Klamotten spülen lassen. Sehr praktisch. So kann man Zuhause einfach alles direkt aus dem Koffer wieder in den Schrank legen. Da ich nach einer Reise meist keine große Lust auf Hausarbeit habe, war das die perfekte Beschäftigung. Den letzten Abend haben wir mit Bildbesprechungen, leckerem Essen und Austausch unserer Eindrücke ausklingen lassen.

Ein ganz dickes Danke an Sina und Jan von LichterderWelt und Anna von naturamerica-reisen für diese unglaubliche Reise. Ein perfekter Mix aus dem, was man in Panama gesehen haben muss und dem, was man abseits der ausgetretenen Touristenpfade entdecken kann. Fotografisch hoffe ich doch sehr, dass einiges Gelerntes in meinem Kopf nun fest verankert ist und ich es weiterhin anwenden kann und werde. Panama und meine Mitreisenden werden einen besonderen Platz in meinem Herzen behalten.

Wer mehr Bilder sehen möchte, findet einige meine Mitreisenden auch auf Instagram:
#lichterderwelt
#sascha_querfurth_photography

Und wer noch immer nicht den Beginn dieser unglaublichen Reise gelesen hat, guckt bitte hier für den Start in Panama City und hier für unsere unglaublichen Erfahrungen in den Nebelwäldern.

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